Wer hier schreibt: Ich heiße Nikola Iliev, unterrichte in Sachsen — unter anderem Deutsch als Zweitsprache — und habe FOREDUCATIONS gemeinsam mit meiner Frau Tatjana R. Ilieva in Borna gegründet. Vier Anwendungen sind im Einsatz: Lehrer-Assistent, LehrerElternHub, class-cast und Inclusion Games.
Alle laufen auf Servern in Deutschland und sind DSGVO-konform gebaut. Das ist keine Marketingzeile, sondern der Grund, warum ich sie überhaupt selbst bauen musste.
Warum überhaupt selbst bauen
Es gibt viel Schulsoftware. Das Problem ist selten, dass etwas fehlt — das Problem ist, für wen es gedacht ist.
Die großen Systeme sind für Schulträger gebaut. Sie werden eingeführt, ausgerollt, geschult. Das ergibt Sinn bei einem Gymnasium mit achthundert Schülern und einer IT-Betreuung. An einer Grundschule sieht der Alltag anders aus: Da entscheidet keine Projektgruppe, da entscheidet eine Lehrerin am Donnerstagnachmittag, ob sie etwas benutzt oder nicht. Und sie entscheidet sich dagegen, wenn es beim ersten Mal länger als fünf Minuten dauert.
Ich habe eine ganze Weile versucht, mit vorhandenen Werkzeugen zurechtzukommen. Was daraus geworden ist, sind vier Anwendungen, die alle dieselbe Anforderung erfüllen müssen: Eine einzelne Lehrkraft muss morgen früh damit anfangen können, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen.
Lehrer-Assistent: der Lehrplan, der niemanden interessiert
Der sächsische Lehrplan ist ein hervorragendes Dokument, das kaum jemand aufschlägt. Nicht aus Nachlässigkeit — sondern weil zwischen „Klasse 3, Sachunterricht, Woche 12" und einem fertigen Arbeitsblatt zu viele Schritte liegen.
Also habe ich den Lehrplan für die Klassen 1 bis 4 in die Software gelegt. Wer Klasse, Fach und Woche wählt, bekommt Vorschläge, die schon am richtigen Punkt ansetzen. Und weil jede Schule mit ihren eigenen Büchern arbeitet, kann man Buchseiten abfotografieren — sie werden zum Material, mit dem der Assistent tatsächlich arbeitet, statt irgendetwas Allgemeines zu erfinden.
Lehrer-Assistent gibt es auf Deutsch und Polnisch. Das hat einen einfachen Grund: In meinen Klassen ist Deutsch oft nicht die Sprache, die zu Hause gesprochen wird.
LehrerElternHub: der Zettel im Ranzen
Der Zettel im Ranzen ist ein erstaunlich unzuverlässiges Kommunikationsmittel. Er wird nass, er wird vergessen, und in etwa einem Drittel der Fälle wird er von jemandem gelesen, der ihn nicht vollständig versteht.
Die übliche Notlösung heißt WhatsApp-Gruppe — und die ist für Lehrkräfte in Sachsen nicht zulässig. Darüber habe ich hier ausführlich geschrieben: Die VwV Schuldatenschutz sagt ausdrücklich, dass Lehrkräfte nicht Mitglied von Eltern- oder Klassengruppen sein sollen.
Ein Verbot allein hilft aber niemandem. Wer den bequemen Weg schließt, muss einen anderen öffnen. LehrerElternHub ist dieser andere Weg: Mitteilungen an alle Eltern einer Klasse, eine Krankmeldung in Sekunden statt eines Telefonats um 7:15 Uhr, Terminanfragen für den Elternsprechtag. Für Eltern dauerhaft kostenlos — denn eine Kommunikationslösung, die ein Teil der Familien nicht bezahlen will, erreicht genau die Familien nicht, um die es geht.
class-cast: die Woche, die fehlt
Ein Kind ist eine Woche krank. Es kommt am Montag zurück und beginnt bei null — nicht weil es nichts kann, sondern weil ihm niemand erzählen konnte, was passiert ist.
Die ehrliche Antwort darauf ist unbequem: Eine Lehrkraft, die gerade sechs Stunden unterrichtet hat, schreibt am Nachmittag keinen siebten Text für die drei Kinder, die gefehlt haben. Nicht aus Desinteresse. Sondern weil der Tag zu Ende ist.
Deshalb schreibt class-cast die Zusammenfassung nicht der Lehrkraft auf den Zettel, sondern erledigt sie selbst und schickt sie an die Kinder, die gefehlt haben. Alles, was ein müder Mensch um 16 Uhr aktiv erledigen muss, wird auf Dauer nicht erledigt. Das ist keine Kritik an Lehrkräften, das ist eine Konstruktionsvorgabe.
Inclusion Games: das Kind, das zuschaut
In fast jeder Klasse gibt es ein Kind, das bei Bewegungsspielen am Rand sitzt. Manchmal wegen einer Behinderung, manchmal weil es die Regeln sprachlich nicht schnell genug erfasst.
Inclusion Games ist der Versuch, dieses Kind wieder ins Spiel zu holen. Die Spiele werden mit dem Körper gesteuert — die Kamera erkennt ein Winken, einen Schritt, eine ausgestreckte Hand. Wer keinen Controller halten kann, spielt dasselbe Spiel wie alle anderen. Für 4 bis 10 Jahre, in vier Sprachen, ohne Zusatzgeräte.
Von allen vier Anwendungen ist das die, bei der ich am wenigsten über Umsatz nachgedacht habe.
Was die vier verbindet
Sie sehen aus wie vier verschiedene Produkte, und formal sind sie das auch. Aber sie folgen denselben vier Regeln, und das ist der eigentliche Punkt:
- Eine einzelne Lehrkraft muss anfangen können. Kein Rollout, keine IT-Abteilung, keine Konferenzentscheidung.
- Die Daten bleiben in Deutschland. Nicht als Verkaufsargument, sondern weil es bei Kinderdaten nach Art. 8 DSGVO nicht anders geht.
- Was Arbeit macht, muss von selbst passieren. Jede Funktion, die zusätzliche Disziplin verlangt, ist nach sechs Wochen tot.
- Die Sprache darf nicht die Hürde sein. Deshalb Polnisch, Spanisch, Englisch — und deshalb Spiele, die man ohne Lesen verstehen kann.
Warum es einen Unterschied macht, wer die Software schreibt
Ich glaube nicht, dass Lehrkräfte automatisch bessere Software bauen. Es gibt hervorragende Produktteams, die nie in einem Klassenzimmer standen.
Aber es gibt eine Sorte Fehler, die man nur macht, wenn man den Alltag nicht kennt. Eine Funktion, die drei Klicks braucht, wo zwischen zwei Stunden nur fünf Minuten liegen. Eine Benachrichtigung, die um 19 Uhr kommt, wenn Lehrkräfte längst Feierabend haben sollten. Ein Anmeldevorgang, der eine E-Mail-Adresse verlangt, die die Hälfte der Eltern nicht regelmäßig liest.
Diese Fehler fallen im Testlabor nicht auf. Sie fallen in der zweiten Schulwoche auf — und dann ist es zu spät, weil niemand ein zweites Mal anfängt.
Software für Schule scheitert selten an Funktionen. Sie scheitert daran, dass sie einen Tag voraussetzt, den es nicht gibt.
Was als Nächstes kommt
In der Werkstatt liegen gerade ein Quizspiel für ganze Klassen, ein Kinderbuchverlag und ein Informationsportal für Menschen, die neu nach Deutschland gekommen sind. Woran wir jeweils arbeiten, steht in der Werkstatt auf der Startseite — und ab jetzt schreibe ich hier im Magazin mit, was dabei passiert.
Nicht nur die Erfolge. Auch das, was wir wieder verworfen haben. Das ist der Teil, den man in diesem Markt sonst nirgends zu lesen bekommt.
Die vier Anwendungen
Lehrer-Assistent — Unterrichtsmaterial entlang des sächsischen Lehrplans, Klasse 1–4.
LehrerElternHub — Elternkommunikation, Krankmeldung, Termine. Für Eltern kostenlos.
class-cast — automatische Zusammenfassungen für Kinder, die gefehlt haben.
Inclusion Games — Lernspiele mit Kamerasteuerung, 4 bis 10 Jahre.
Nikola Iliev
Lehrer in Sachsen und Gründer von FOREDUCATIONS. Baut Software für den Schulalltag — aus dem Klassenzimmer heraus, nicht aus dem Konferenzraum.