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Bildungspolitik

PISA 2025: Deutschland auf dem Tiefstand — und warum die Antwort heißt, Lehrer wieder cool zu machen

Die Rangliste haben inzwischen alle gelesen. Die Zahl, auf die es ankommt, steht weiter hinten im Bericht — und sie erklärt, warum die üblichen Vorschläge diesmal nicht greifen werden.

Die Ergebnisse in einem Satz: Deutschland erreicht bei PISA 2025 in allen drei Bereichen die schlechtesten je gemessenen Werte — 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 im Lesen, 464 in Mathematik.

Veröffentlicht am 8. September 2026, getestet im Frühjahr 2025 in 91 Ländern. Die Studie heißt deshalb PISA 2025, auch wenn die Schlagzeilen aus 2026 stammen.

Die Zahlen

BereichPISA 2022PISA 2025Differenzunter Stufe 2
Naturwissenschaften 492 486 −6 27 %
Lesekompetenz 480 465 −15 32 %
Mathematik 475 464 −11 34 %

Im OECD-Vergleich liegt Deutschland damit auf Rang 23 in Naturwissenschaften, 24 im Lesen und 25 in Mathematik. Der Rückgang in den Naturwissenschaften ist statistisch nicht signifikant — die beiden anderen sind es.

Am oberen Ende ist es ähnlich ernüchternd: Nur 7 bis 9 Prozent erreichen die Spitzenstufen 5 und 6. Wir verlieren also nicht nur unten, wir gewinnen auch oben nicht.

Die Zahl, über die kaum jemand spricht

Und dann steht da, weiter hinten, dieser Befund:

33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland halten Schule für Zeitverschwendung. Im OECD-Durchschnitt sind es 24 Prozent.

OECD, PISA 2025 Ergebnisse (Band I), Ländernotiz Deutschland

Ein Drittel. Und die Ausdauer bei schwierigen Aufgaben ist seit 2022 noch einmal um 8 Prozentpunkte gefallen.

Das ist kein Wissensproblem. Das ist ein Beziehungsproblem.

Ein Kind, das eine Aufgabe nicht kann, kann man unterrichten. Ein Kind, das die Aufgabe für sinnlos hält, kann man nicht unterrichten — man kann es nur überzeugen. Und Überzeugung wird nicht von einem Lehrplan übertragen, sondern von einem Menschen, der im Raum steht.

Warum die üblichen Vorschläge diesmal nicht greifen

Nach jeder PISA-Runde kommen dieselben Forderungen: mehr Sprachförderung, frühere Diagnostik, verbindliche Standards, Digitalpakt. Alles davon ist richtig. Nichts davon adressiert die 33 Prozent.

Denn all diese Maßnahmen haben eine gemeinsame Voraussetzung, über die selten gesprochen wird: Sie brauchen Menschen, die sie umsetzen. Und die gibt es nicht.

  • Im Schuljahr 2025/26 stehen rund 22.500 Neuabsolventen einem Bedarf von etwa 30.700 Stellen gegenüber — eine Lücke von über 25 Prozent.
  • Die KMK rechnet bis 2035 mit rund 356.000 nötigen Neueinstellungen bei nur etwa 329.000 fertig ausgebildeten Lehrkräften.
  • Die GEW warnt, dass bis 2030 über 110.000 Lehrkräfte fehlen werden.
  • In MINT-Fächern wird 2030/31 nur etwa ein Drittel des Bedarfs gedeckt sein.

Man kann keine Bildungsreform gegen einen Personalmangel durchsetzen. Jede Maßnahme, die zusätzliche Lehrerstunden braucht, verschärft das Problem, das sie lösen soll.

Was „Lehrer wieder cool machen" wirklich bedeutet

Der Satz klingt nach Kampagne. Ich meine ihn nüchtern: Der Lehrerberuf muss wieder ein Beruf werden, den kluge junge Menschen freiwillig wählen — und den erfahrene Lehrkräfte nicht mit 55 verlassen. Solange das nicht stimmt, ist jede andere Reform Papier.

Cool heißt dabei nicht: jung, locker, mit Tablet. Cool heißt: eine Arbeit, von der man abends erzählen mag. Vier Dinge gehören dazu, und keines davon ist ein Plakat:

1. Zeit für das, wofür man den Beruf gewählt hat

Niemand wird Lehrerin, um Listen zu führen. Der Anteil der Arbeitszeit, der auf Verwaltung, Dokumentation und Organisation entfällt, ist der direkteste Angriff auf die Berufszufriedenheit — und der am einfachsten zu behebende.

2. Ein Ende der Erreichbarkeit rund um die Uhr

Die Elternnachricht um 22:30 Uhr im privaten Messenger ist kein Randphänomen, sondern für viele der Grund, warum Feierabend nicht mehr existiert. Über die rechtliche Seite habe ich an anderer Stelle geschrieben — die menschliche ist mindestens so wichtig.

3. Sichtbare Wirksamkeit

Menschen bleiben in Berufen, in denen sie sehen, dass ihre Arbeit etwas verändert. Wer jeden Tag gegen Strukturen anarbeitet, ohne ein Ergebnis zu sehen, geht irgendwann. Das gilt für Lehrkräfte wie für alle anderen.

4. Öffentlicher Respekt statt öffentlicher Verdächtigung

Die Debatte nach jeder PISA-Runde läuft nach demselben Muster: Erst die Zahlen, dann die Frage, ob Lehrkräfte genug arbeiten. Es ist schwer, einen Beruf attraktiv zu finden, über den alle drei Jahre öffentlich diskutiert wird, ob er seine Ferien verdient hat.

Man kann Kindern nicht beibringen, dass Schule Sinn hat, wenn die Erwachsenen im Raum selbst nicht mehr daran glauben.

Was Software dazu beitragen kann — und was nicht

Hier muss ich vorsichtig sein, weil ich selbst Software für Schulen baue und die Versuchung groß ist, sie größer zu machen, als sie ist.

Keine App verbessert einen PISA-Wert. Wer das behauptet, verkauft etwas. Der Zusammenhang zwischen einem digitalen Werkzeug und der Lesekompetenz von Fünfzehnjährigen ist so indirekt, dass jede Zahl dazu erfunden wäre.

Was Software kann, ist bescheidener und trotzdem nicht nichts: Sie kann Punkt 1 und Punkt 2 von oben angreifen. Sie kann Zeit zurückgeben, die heute in Organisation verschwindet, und sie kann verhindern, dass dienstliche Kommunikation im privaten Leben landet.

Woran wir arbeiten

Genau daran setzen unsere vier Anwendungen an: Lehrer-Assistent nimmt Vorbereitungszeit ab, LehrerElternHub holt die Elternkommunikation aus dem privaten Messenger, class-cast erledigt die Zusammenfassung für kranke Kinder von selbst, und Inclusion Games holt die Kinder ins Spiel zurück, die sonst am Rand sitzen.

Zusammen sind das ein paar Stunden pro Woche. Das ändert keine Rangliste. Es ändert vielleicht, ob eine Lehrerin im dritten Berufsjahr bleibt.

Der Befund, mit dem ich es aushalte

Es gibt in diesen Daten eine Zahl, die mich mehr beschäftigt als die 464 in Mathematik: Der Abstand zwischen privilegierten und benachteiligten Jugendlichen beträgt in den Naturwissenschaften 125 Punkte. Im OECD-Durchschnitt sind es 85. Und Jugendliche, die erst mit elf Jahren oder später nach Deutschland gekommen sind, liegen 129 Punkte zurück.

Ich unterrichte unter anderem Deutsch als Zweitsprache. Diese 129 Punkte sind für mich keine Statistik, sondern Gesichter. Und sie sind der Grund, warum ich die Motivationszahl nicht für weich halte: Ein Kind, das dem System nicht zutraut, dass es für es gemacht ist, strengt sich nicht an. Zu Recht.

Wer diesen Abstand verkleinern will, braucht keine App und keinen Lehrplan. Er braucht Erwachsene, die bleiben — lange genug, dass ein Kind ihnen glaubt.

Zu den Zahlen. Alle PISA-Werte stammen aus der OECD-Ländernotiz Deutschland zu PISA 2025 (veröffentlicht am 8. September 2026) und der Auswertung des Deutschen Schulportals. Die Angaben zum Lehrkräftebedarf stammen von KMK und GEW. Prognosen zum Personalbedarf sind Modellrechnungen und werden regelmäßig angepasst. Stand dieses Beitrags: 10. September 2026.
Quellen
  • OECD: PISA 2025 Ergebnisse (Band I), Ländernotiz Deutschland, 8. September 2026
  • Deutsches Schulportal: Die zehn wichtigsten Ergebnisse der PISA-Studie 2025
  • KMK: Lehrereinstellungsbedarf und -angebot, Modellrechnung bis 2035
  • GEW: Prognose zum Lehrkräftemangel bis 2030

Nikola Iliev

Lehrer in Sachsen und Gründer von FOREDUCATIONS. Baut Software für den Schulalltag — aus dem Klassenzimmer heraus, nicht aus dem Konferenzraum.